Psychosomatische Medizin erlaubt ein ganzheitliches Verstehen von schwer erträglichen Beschwerden, für die es auf der körperlichen Ebene entweder eindeutige Erklärungen oder keine Erklärungen gibt. Im Alltag meiner Patientinnen werden verständlicherweise meist vorwiegend körperlichen Ursachen für "körperliche" Beschwerden gesucht. Und so wenden Sie sich an unterschiedliche Ärzte, werden immer verzweifelter, da keiner eine klare Lösung anbietet. Allein die Ursachensuche bietet keine Linderung, insbesondere, wenn es sich um Beschwerden handelt, welche NICHT durch einen organischen Befund bestätigt werden. Beispiele hierfür: -Unterleibsschmerzen, bei denen in der Bauchspiegelung KEINE Endometrioseherde gefunden werden - Periodenschmerzen, bei denen im vaginalen Ultraschall KEINE Veränderung von Eierstöcken und Gebärmutter gefunden wird. Häufig handelt es sich bei diesen körperlich nicht nachweisbaren Beschwerden um Reaktionen auf "unbewussten Stress". Aber auch "echte" körperliche Symptome, wie z.B. Brustkrebs, können sehr belastende Beschwerden auslösen. Um Patientinnen mit Beschwerden unterstützen zu können, führen ich gerne "Gespräche über das Leben". In diesen Gesprächen höre ich viel zu, nehme die Patientin ernst und versuche, zu verstehen, wie sich die Patientin selbst ihre Beschwerden erklärt. Ich lerne viel über die Lebenssituation und das Umgehen jeder Patientin mit verschiedenen Vorkommnissen in ihrem Leben und nicht selten kommen belastende Ereignisse in ihrem sozialen Gefüge zum Vorschein, die dann Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten durch entsprechende Idee ermöglichen.
Psychosomatische Medizin erlaubt eine ganzheitliche, gemeinsame Sichtweise von Patientin und Ärztin Sichtweise auf die Krankheitssituation mit biologischen (körperlichen/hormonellen), psychologischen und soziale/familiären/beruflichen Einflussfaktoren auf die Entstehung und den Verlauf von körperlichen Beschwerden und/oder Erkrankungen.
Andere Herangehensweisen stellen anstatt des Festhaltens an einer Ursachenfindung die Frage: "Wie entsteht Heilung?" (auch salutogenetisches Modell genannt) Diese Herangehensweise öffnet den Blick für Positives oder Schutzfaktoren "Wer/Was schützt mich vor einer Erkrankung?"-manche nennen das auch Resilienz ( das sind z.B. Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientiertheit, Bindungen/Netzwerke, Selbstfürsorge)
und Widerstandsfaktoren "Was kann ich einer Erkrankung entgegenhalten ?" ( z.B. Wissen, Selbstsicherheit, Problemlösefähigkeit, Humor, Gelassenheit, Willensstärke)
Unterschiedlichste körperliche, seelische aber auch funktionelle Beschwerden können auf diese Weise betrachtet werden und die Patientin kann hilfreiche neue Erkenntnisse gewinnen oder Entwicklungen durchlaufen, welche Linderung verschaffen.